Page 303 - BOLA Profi-Laborbedarf
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Fluorkunststoffe – Beheizung
Die Schwierigkeit bei der Beheizung von PTFE-Gefäßen ist zum einen in der geringen Wärmeleitung und zum anderen in der maximalen Oberflä- chentemperatur, die auf keinen Fall überschritten werden sollte, begrün- det. Es gibt verschiedene Methoden, um PTFE-Laborgeräte zu beheizen:
» Beheizung mit einer Heizhaube mit Oberflächenfühler:
Bei der Beheizung mit einer Heizhaube wird das Gefäß großflächig ummantelt. Dies fördert die Wärmeübertragung und verringert die Aufheizphase. Die Heizhaube muss unbedingt mit einem Oberflächen- fühler ausgestattet sein. Dieser misst die Temperatur direkt an der Oberfläche.
» des PTFE und schaltet die Energiezufuhr ab, wenn die Temperatur
über +250 °C ansteigt. Nur so wird verhindert, dass durch temporäre Überhitzungen eine Verformung der Laborgeräte eintritt. Bei noch stär kerer Temperaturerhöhung auf > 380°C können gesundheitsgefährdende Zersetzungsprodukte entstehen.
Von der Verwendung von „normalen“ Heizhauben und Steuerungen ist abzuraten; Sie erhalten sonst ähnliche Effekte wie bei der Benutzung einer Heizplatte (siehe unten).
» Beheizung mit einem Thermostaten:
Hier erfolgt der Wärmeübergang durch das Badmedium (Öle oder andere wässrige Flüssigkeiten). Durch die Regelung des Thermosta ten wird erreicht, dass an der Oberfläche des Gefäßes keine zu hohen Temperaturen am PTFE anliegen. Auch der Wärmeübergang ist gut, da, je nach Eintauchtiefe, eine große Fläche zum Wärmeübergang bereit- steht. Allein das Hantieren mit Ölen bei höheren Temperaturen und das damit verbundene Gefährdungspotenzial erfordert umsichtiges und sicheres Arbeiten, ggf. unter Verwendung der notwen digen Körperschutzmittel.
Nicht geeignete Methoden sind:
» Mit einer Flamme (z.B. Gasbrenner): Hier kann die Oberflächentem
peratur am PTFE nicht kontrolliert werden. Durch die temporäre Überhitzung entstehen Zersetzungsprodukte, sowohl in Form unsicht barer Gase, als auch in Form weißen Rauches. In beiden Fällen handelt es sich um immens gesundheitsgefährdende Stoffe.
» Durch eine Heizplatte:
Auch hier kommt es zu Überhitzungen. Die handelsüblichen Heiz- platten kennen nur den Schaltzustand „heizen“ oder „aus“. Während der Heizphase wird mit der vollen Leistung geheizt, um dann
einige Sekunden später eine fast glühende Heizplatte zu erhalten. Danach schaltet die Steuerung der Heizplatte ab und heizt nur noch sekundenweise. Dieses sogenannte „Punkten“ reicht aber, um die maximal zulässige Temperatur von +250 °C bei weitem zu überschrei ten. Da nützt es auch nichts, dass man am Stellknopf nur auf +150 °C eingestellt hatte. Laborgeräte aus PTFE verkohlen dann an der Unterseite und verkleben mit der Heizplatte. Bei den Thermoplasten FEP und PFA ist ein direktes Verschmelzen, ähnlich einem Schmelz kleber zu beobachten. Dies kann zwar durch das Dazwischenlegen einer Aluminiumfolie verhindert werden, aber die gesundheitlichen Gefähr dungen bleiben bestehen.
» Für weiterführende Informationen zum „Sicheren Umgang mit Fluor- polymeren“ verweisen wir auf das Merkblatt von Plastics Europe, das überfolgende Quelle zum Download bereit steht:
Sicherheitshinweise
» PlasticsEurope AISBL; Avenue E. van Nieuwenhuyse 4/3; B-1160 Brussels/Belgium, Phone: +32 (0) 2 675 32 97, info@plasticseurope.org, www.plasticseurope.org
Hauptrisiken und ungünstige Auswirkungen
Fluorkunststoffe sind inerte Kunststoffe, für die menschliche Gesundheit und die Umwelt bestehen bei normalem Gebrauch keine Risiken. Wird das Material Temperaturen von > 350 °C ausgesetzt, besteht die Gefahr der Freisetzung schädlicher Stoffe, HF, COF2 und anderer Stoffe, die extrem ätzend sind, und die schwere, nicht sofort registrierbare Verätzungen hervorrufen können.
Symptome nach Kontakt
Die bei der thermischern Zersetzung frei werdenden Stoffe sind bei Kontakt mit Augen oder Haut sowie beim Einatmen sehr gefährlich. » Augenkontakt: Rötung, Irritation, Brennen
» Hautkontakt: Rötung, Irritation, Brennen
» Einatmen: Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Unwohlsein, Schütteln, Fieber („Polymerfieber“, erhöhter Puls).
Für den Fall, dass Zersetzungsgase eingeatmet wurden:
Die Symptome treten unter Umständen erst einige Stunden nach dem Einatmen auf. Eine schnelle medizinische Betreuung ist zur Begren- zung nachhaltiger Schäden extrem wichtig!
Erste Hilfe Maßnahmen
Nach dem Einatmen der Zersetzungsdämpfe ist ein schnelles Einset- zen der medizinischen Hilfe extrem wichtig. Nach einer möglichen Inhalation sofort die Betroffenen an die frische Luft bringen und Sauerstoff geben. Bei Atemstillstand künstlich beatmen; ev. Mund zu Mund Beatmung durchführen.
» Bei Augenkontakt sofort mit viel Wasser spülen für mindestens 15 Minuten.
Bei Hautkontakt sofort mit viel Wasser und Seife waschen (beson- ders auf gutes Spülen der Haut unter den Nägeln achten).
» Darüber hinaus sollte immer und sofort medizinische Hilfe ange- fordert werden!
Maßnahmen zur Brandbekämpfung
Mögliche Risiken bestehen aufgrund ätzender und giftiger Beipro- dukte durch thermische Zersetzung (HF und COF2).
Vorsichtsmaßnahmen im Brandfall:
Produkt von Brandquelle entfernen, Vorsicht walten lassen. In Ge- genrichtung des Windes und in ausreichendem Abstand aufhalten. Als geeignete Löschmittel sind Wassersprühen, -nebel, -strahl, CO2, Trockenschaum, Erde/Sand anzusehen. Spezielle Schutzmaßnahmen wie unabhängiges Atemgerät und Hautschutz gegen die HF-Dämpfe sind zu tragen.
    Hotline +49 (0) 93 46-92 86-0
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 TECHNISCHE INFORMATIONEN





























































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